„Das was ist, als Chance sehen.“ Ein viel bemühter Satz mit Nerv-Potential. Denn was ist, wenn einem das Wasser bis zum Hals steht, indem man quasi trocken läuft, weil dem Unternehmen das Geld ausgeht? Da machen sich schnell Angst und Torschlusspanik und Endzeitstimmung breit. Sie lähmen, oder treiben uns in die Flucht. Doch während wir rennen, kommen die panischen Gefühle einfach mit. Davonrennen bringt also nichts. Denn wir haben uns selbst immer mit dabei.

Also Stopp!  Anhalten! Stehen bleiben!  Wenn hinsetzen gerade verboten ist.

Und sich fragen: „Was ist meine größte Sorge? Wovor habe ich am meisten Angst?“

Sich selbst zuhören und die Antwort abwarten. Denn dann, dann geschieht etwas Großartiges: Wir können wieder denken, nachdenken, uns Lösungen und Alternativen überlegen. Wir kommen ins überlegte Handeln und lösen uns vom panischen Agieren.

Und wenn dann das Wichtigste in trockenen Tüchern liegt, bleibt vielleicht sogar die Zeit, noch eine weitere Frage an uns selbst zu stellen, nämlich: „Wenn DAS so nicht mehr sein kann und soll, WAS würde ich am liebsten tun? Worin sehe ich einen Sinn und Freude für mich? Worauf habe ich LUST? Und vielleicht, vielleicht entsteht auf diese Weise Deine neue (Geschäfts-) Idee!

Was ist eigentlich gerade los?

Was zählt jetzt?

Worum geht es?

Was sagt mir die Situation über mich und mein Leben?

Wo führt es mich, wo führt es uns alle hin?

Geht es um Schnelligkeit, die gerade jetzt gefordert ist?

Oder geht es vielleicht gerade um das Gegenteil, nämlich Langsamkeit und Geduld, deren Wert in durchdachten und abgewogenen Handlungen zu sehen sind? Dann, wenn wir uns selbst erlaubt haben, uns zu sortieren, in uns aufzuräumen, um den Dingen und Erfahrungen ihren – einen – neuen Platz zuzuweisen.

Ich habe gelernt, dass es wichtig für mich selbst ist, mich angstfrei dem Gefühl des freien Falls hinzugeben, um zeitversetzt in genau diesem Fühlen der vermeintlichen Ohnmacht die Qualität des gerichteten Fliegens und bewussten Orientierens wahrnehmen zu können.

Mache ich inmitten und nach einem so gravierenden Ereignis wie „Corona“ einfach weiter wie zuvor, in aller Eile und voller Aktionismus, so habe ich für mich in der Vergangenheit erfahren, dass der Grad meiner eigenen möglichen Veränderung recht begrenzt bleibt.

Gebe ich mir selbst jedoch die Zeit des Reifens neuer Ideen, korrigierter Ausrichtungen, nie zuvor gedachter Ansätze, so kann daraus wahrhaftig Neues entstehen, was voller Widerstandskraft dem Sturm trotzt – dem nächsten.

Wie ist das nun mit der Balance im Leben, dem Gleichgewicht der Gegensätzlichkeit? Rechts-links, vorn-hinten, oben-unten. Warum Gegensatz, wenn es doch auch Ausgewogenheit im Ganzen geben könnte? Ich mache mich stark, setze mich ein für die Aufhebung des Trennenden von „Work“ UND „Life“. Vielmehr strebe ich ein „Life“ IM „Work“ an. Unseren Arbeitsalltag so zu gestalten, dass er mit Fug und Recht behaupten kann, Teil unseres Lebens zu sein. Auch noch ein Gewollter. Nicht das Anhängsel, das gern Verschwiegene, Schwierige. Wir schaffen mehr, wenn wir uns Ruhepausen am Tag gönnen. Wir sind schneller und kreativer, wenn wir Orte zum Arbeiten wählen, die unserem inneren Wohlbefinden zuträglich sind. Wir sind die Gestalter unseres Lebens und damit auch unserer Arbeitswelten. Es braucht nicht gleich die große Keule der radikalen Veränderung. Doch einen ersten Gedanken, einen zweiten Schritt, ein drittes Tun in die Richtung unserer höheren Zufriedenheit im Arbeitsalltag haben wir in der Hand. Und können aufhören, unsere freien Tage zu überfordern im Erwarten, was sie alles zu erfüllen haben. Um uns zu entschädigen für unsere Unwucht im Leben. Dann darf auch der Urlaub entspannen und sein schönstes Gesicht zeigen. Das freudvoll Gelöste.